The History of Techno

Trance

Schon seit Jahrtausenden wird von Naturvölkern repetitive Musik als Methode zur Grenzüberschreitung in tranceartige Zustände verwendet, und obwohl diese Möglichkeit der Bewusstseinsveränderung in der westlichen Welt lange Zeit vergessen war, ist in den vergangenen Jahrzehnten das Bedürfnis der Menschen nach einem Gegenpol zum hochtechnologisierten und anstrengenden Alltag verstärkt und die Suche nach entspannenden Grenzerfahrungen neu erweckt worden.

Besonders die fortschreitenden Entwicklungen im Bereich der elektronischen Musik erleichterten es wesentlich, einen Sound, der durch Wiederholung und Rhythmus tranceartige Zustände hervorruft, zu erzeugen. Trance als eigenständige Musikrichtung entstand um 1991, zu Zeiten, als Techno selbst immer schneller und härter wurde und sich somit in Teilen der Dance-Szene das Bedürfnis auftat, andere Sounds mit mehr Melodie, Langsamkeit und Harmonie zu erfahren. Das Tempo von Trance liegt bei vergleichsweise gemäßigten 130-140 bpm, von Techno hat man lediglich den geraden Rhythmus übernommen, über den melodiöse Flächen, Samples und Vocals gelegt sind. Charakteristisch für Trance sind außerdem verhältnismäßig laute Hi Hats, der höher und tiefer werdende Bass, die oftmals träumerischen und spacigen Soundlandschaften sowie die sich steigernden Drums, die zur Erzeugung eines Spannungsbogens verwendet werden.

Während Trance Anfang der 90er in England hauptsächlich von Paul Oakenfold propagiert wurde, waren in Deutschland Sven Väth durch seine Veröffentlichungen sowie seines Clubs "Omen" in Frankfurt und Cosmic Baby mit "Stellar Supreme" maßgeblich an der Entwicklung von Trance beteiligt. Kurze Zeit später nahmen sich immer mehr Mainstream DJs des neuen Sounds an und zahlreiche Produktionen geschäftstüchtiger Labels ließen Trance in eine Richtung entwickeln, die von wirklichen Liebhabern des Sounds oftmals als platt, nicht subtil genug und mit der ursprünglichen Form nicht mehr viel gemeinsam habend beschimpft. Als besonders ärgerlich wurde erachtet, dass gerade die anfangs sich so angenehm abhebende Freundlichkeit und Wärme des Sounds aufgrund seines eingängigen Charakters die großen kommerziellen Erfolge erst möglich gemacht hatten. Obwohl die Liebhaber des wahren Trance die Unterstützung solch geistloser Musik scharf kritisierten, kam es ungefähr 1996 zu einer zweiten großen Trance-Welle, diesmal in Form von Dreamhouse. Der neue Sound, in dessen Namen das Wort "Trance" zur effektiven Vermeidung negativer Assoziation sicherheitshalber gleich ganz ausgespart war, ist von Robert Miles, der sich wohl nie hätte träumen lassen, welche Auswirkungen folgen könnten, mit seinem Sommerhit "Children" losgetreten worden. Das Revival des Trance nahm man begeistert in den europäischen Dance-Gemeinden, kurze Zeit später auch in Amerika und osteuropäischen Ländern, auf, wobei es sich besonders in England großer Beliebtheit erfreute und dort von DJs wie Paul Oakenfold oder Sasha an ein Publikum, das nach neuen Abenteuern und neuer Energie in der Musik und beim Feiern suchte, getragen wurde.

Trance wurde erneut denunziert, diesmal als alter Hut und Schnee von gestern. Doch jetzt sahen viele Liebhaber des ursprünglichen Trance darin eine Chance, ihn zu dem zurückzubringen, wofür es eigentlich ursprünglich gedacht war: als Musik für den Geist, nicht für den Kommerz.

Eine Form von Trance, die diesen Leitfaden besonders ernst nahm, entwickelte sich Ende der 80er bzw. Anfang der 90er Jahre in der westindischen Provinz Goa, wo sich bereits seit der Hippie-Ära Freigeister, Musik- und Drogenliebhaber aus allen Teilen der Welt zum Relaxen, Kräfte tanken und gemeinsam feiern trafen. Während früher eher Bands wie Pink Floyd, Grateful Dead oder The Doors populär waren, wurden nun auf den Strandparties verstärkt elektronische Sounds, die DJs aus Europa mitgebracht hatten und welche die bewußtseinserweiternde Wirkung der dort konsumierten Drogen noch unterstützten, zum Feiern verwendet. Nach einer gewissen Zeit begann sich ein neuer Stil zu entwickeln, der sowohl von der vorherrschenden Lebenphilosophie als auch den Halluzinogenen beeinflusst war: Goa-Trance.

Der typische Goa-Trance Track dauert zwischen 8 und 10 Minuten, wobei die überdurchschnittliche Länge mit dem Bestreben, die Hörer in auf eine Reise zu schicken, zusammenhängt: in den ersten paar Minuten baut sich die Musik langsam auf und wird immer intensiver, bis schließlich nach ca. 5 oder 6 Minuten der Höhepunkt erreicht ist. Danach hat der DJ noch genügend Zeit, um sich zu entscheiden, ob er die Reise in gleicher Weise fortführen oder lieber zu etwas Anderem übergehen will. Darüber hinaus wurde, zumindest zu Beginn der Entwicklung, bei den meisten Tracks die Tatsache, dass die favorisiert konsumierte Droge LSD war, ausgenutzt, da es so besonders einfach war, anhand analoger Effekte und Sounds die Zuhörer in ferne Sphären zu befördern. Das Hauptanliegen von Goa war, die Hörer mit der Musik zu verbinden, um so ein übernatürliches Erlebnis zu schaffen. Die Besonderheit liegt darin, dass, im Gegensatz zu den anderen elektronischen Musikformen, Goa nicht auf Parties in Clubs und damit verbunden auf gute Soundsysteme und Lichtanlagen ausgerichtet ist, sondern versucht, den Fokus auf die Verbindung zur Natur, die inhaltliche Essenz und Purität des Sounds, nicht aber auf die Umgebung zu legen. Die Parties fanden im Freien statt und meist gab es keine Plattenspieler, statt Vinyl wurden Kassetten abgespielt. Die meisten Goa-Parties gehen auch heute noch erst gegen 4 Uhr morgens richtig los, dafür ist aber auch vor dem darauf folgenden Nachmittag nicht mit einem Ende der Party zu rechnen.

Obwohl oder vielleicht gerade weil niemand in der Szene auf kommerzielle Vermarktung der Musik Wert legte ­ daher gibt es auch eigentlich keine wirklich berühmten Vertreter des Stils ­ erlangten die Goa-Parties Kultstatus, und immer mehr Partygänger, die hierzulande vielleicht schon lange die spirituelle Seite des Feierns in den Clubs vernachlässigt sahen, wollten auch nach Goa reisen, um bei den legendären Veranstaltungen dabeizusein. Einer der ersten, der Goa nach Deutschland brachte, war Sven Väth, der 1993 in seiner Veröffentlichung "Accident in Paradise" die in Indien gesammelten Impressionen musikalisch umsetzte. Als die Parties immer größer wurden, waren eigentlich nur noch wenige Verfechter der ersten Stunde dabei, da ihnen die gesamte Bewegung zu profan wurde und der wirkliche Sprit bei den neu hinzugekommenen Anhängern oftmals fehlte. Daher wandte man sich ab von der Bezeichnung "Goa-Trance", die inzwischen echt keiner mehr hören konnte, auch weil von den zahlreichen Veranstaltungen, auf denen diese Art von Musik zu hören war, ja nur noch die wenigsten wirklich in Goa stattfanden und kam zum neuen, unverfänglicher formulierten und nicht mit negativen Konnotationen versehenen Begriff "Psychedelic Trance", der aber im Großen und Ganzen eigentlich

 

House

House entstand Mitte der 80er Jahre in den USA aus dem kommerziellen Overkill des Discosounds heraus: wie sehr den Leuten damals der bereits ca. zehn Jahre in den Clubs vorherrschende Sound zum Hals heraus hing, wird wohl am deutlichsten, wenn man sich an den Höhepunkt der "Disco Sucks"- Kampagne zurückerinnert, nämlich die Aufforderung an die Besucher eines Baseball-Spiels im Komishi Park in Chicago, all ihre Discoplatten, die sie nicht mehr hören wollten, mitzubringen, um sie dann nach dem Spiel in einem riesigen Feuer zu verbrennen. Disco brach aufgrund der üblichen Begleiterscheinungen der Kommerzialisierung einer Szene zusammen: die steigende Anzahl schlechter Tracks, die Geldgierigkeit der Produzenten großer Plattenlabels und die sich lösende Underground-Szene, die mit der Verwässerung ihrer Ideen immer unzufriedener wurde. Und eben diese war es auch, die sich der Entwicklung eines neuen Stil aus Disco heraus mit Hilfe der neuen elektronischen Geräte zuwandte, der deeper, ursprünglicher und mehr auf Tanzbarkeit ausgerichtet sein sollte. Die neuen Platten führten das bereits gegen Ende der Discoära immer häufiger auftretende Phänomen, die 12-Inch-Versionen mit längeren Percussionbreaks zu versehen, um den DJs das Mixen der Platten zu erleichtern, weiter, und richteten so den neuen Stil immer mehr auf den Dancefloor aus.

Zu diesem Zeitpunkt gab es den Begriff "House" allerdings noch gar nicht, er wurde erst durch das Warehouse in Chicago, welches 1977 seine Pforten öffnete und den zentralen Entwicklungsort darstellt, geprägt. Der DJ, der den Sound vor Ort über Jahre hinweg populär machte, war Frankie Knuckles. Ursprünglich sollte der New Yorker Larry Levan dort auflegen, der jedoch seine Heimatstadt nicht verlassen wollte und dann in der Paradise Garage in New York an den Plattentellern stand. Genauso, wie der Sound in Chicago aufgrund des Clubs "House" genannt wurde, entstand in New York der Begriff "Garage". Während Garage sich eher aus Soul heraus entwickelt hat und somit sehr gesangsorientiert ist, ist House durch seinen treibenden Rhythmus meist schneller und auch energiegeladener. Frankie Knuckles kommentierte dies so: "All of the records coming out of New York had been either mid or down tempo, and the kids in Chicago wouldn't do that all night long, they needed more energy".

In House fanden sich außerdem vereinzelt Spuren von Euro-Electronic-Beats wie sie beispielsweise von Kraftwerk produziert wurden, sowie die typischen Klavier-Loops. Des weiteren charakteristisch für die meisten Housestücke ist der 4/4-Takt, Snare-Drums bzw. HandClaps auf 2 und 4 und die Geschwindigkeit von ca. 120 bpm, was ungefähr der Herzfrequenz der Tänzer entspricht. Auch wenn der Sound nicht vollkommen identisch war, gemeinsam hatten die beiden Clubs jedoch, dass hier die Musik im Vordergrund stand, während es sonst zur damaligen Zeit üblich war, nach Herkunft und sexueller Vorliebe getrennt zu feiern, und somit die vorherrschenden Barrieren und Vorurteile überwunden wurden.

Es ist immer noch strittig, welches die erste House-Platte war, aber sie wurde mit ziemlicher Sicherheit von Jessie Saunders und auf dem Mitchball-Label produziert.

Die nächste einschneidende Entwicklung House betreffend ging ca. 1985 von statten, als, parallel zu der eher im Stillen vorgehenden Entstehung von Techno in Detroit, in Chicago eine neue Minimalversion von House entstand, die Acid House hieß, sich voll und ganz auf den Gebrauch der Roland 303 Bassline und des Roland 808 Drumcomputer stützte und mit den Sounds experimentierte, die man damit produzieren konnte. Acid House gelangte 1987 nach England, und wurde dort zur größten Jugendbewegung seit Punkrock. Die englischen Produzenten machten ihre eigenen Acid House Tracks und die Szene boomte. Mit dem Summer of Love 1988 erreichte die Entwicklung ihren Höhepunkt, dessen Hauptantriebskraft eine Handvoll DJs wie beispielsweise Paul Oakenfold oder Danny Rampling waren, die den Sommer zuvor auf Ibiza verbracht hatten und nun den Sound der Baleareninsel mit nach England brachten. "We Call It Aciiieeed" von D-Mob schaffte es auf Platz Eins der Charts, und war somit, genau wie der gelbe Smiley, der sozusagen als Maskottchen der gesamten Bewegung fungierte, allgegenwärtig. Die englische Klatschpresse nahm sich ebenfalls der neuen Jugendbewegung an, und verbreitete allerhand Schauermärchen, nicht nur die Musik, sondern vor allem auch die mit der Szene verbundenen Drogen betreffend.

Auch in Deutschland erlebte Acid House einen regelrechten Hype und wurde mit Interpreten wie dem damals 13jährigen Kid Paul sogar in der Bravo breitgetreten. Obwohl Acid House nach wie vor im Underground weiterexistierte, war der richtige Acid-Boom aber wieder genauso schnell verschwunden, wie er gekommen war: schon 1989 hatten alle genug davon und House allgemein wurde vorerst von Techno verdrängt. Vom Überbegriff für die Musik, die zur damaligen Zeit in den Clubs lief, wurde House zu einem Subgenre von Techno, welches sich inzwischen zum Inbegriff für jegliche Form von elektronischer Musik etabliert hatte. Natürlich existierten kleine Subgenres von House auch weiterhin, ein Beispiel dafür ist Progressive House, das Anfang der 90er entstand, und, zumindest im damaligen Verständnis dieser Bezeichnung, eine Mischung aus Techno und House darstellte. Heute versteht man darunter meist House-Tracks, die tranceartige Elemente beinhalten. Ebenfalls Progressive House gemeint ist mit der Bezeichnung "Handbag", die dadurch entstanden ist, dass die Frauen beim Tanzen ihre Handtaschen neben sich auf die Tanzfläche stellten.

Wie bereits erwähnt, herrschte in den darauf folgenden Jahren hauptsächlich Techno in der Clubszene vor, House konnte sich erst ca. 1995/96 mit einem großen Revival zurückmelden, das kommerziell mit dem Charterfolg der Bucketheads und ihrem Track "The Bomb" eingeläutet wurde und logische Konsequenz des in der Clubszene wieder stark aufkeimenden Discohouse war. In der folgenden Zeit gab es eine Vielzahl an Re-Releases alter Songs der Discoära aus den Jahren 1977-82. Der Erfolg des Discorevivals lässt sich in Sehnsucht nach Wärme, welche die schnelleren und härteren Beats des Techno nicht stillen konnte, des upliftenden Charakters der House-Tracks und der Erinnerungseffekte an alte Songs, die beim Hören der eigentlich "neuen" Stücke auftraten, erklären.

House entwickelte sich natürlich auch in den folgenden Jahren noch weiter und so entstanden eine Vielzahl interessanter Kreuzungen von House mit Elementen anderer Genres.

1997 beispielsweise entstand Speedgarage, eine Bezeichnung, die hauptsächlich von den britischen Medien geprägt wurde. In der Szene selbst verwendete man eher den Begriff UK-Garage. Mit Speed hatte diese Form von Garage nämlich nicht viel zu tun: sie war mit 130 bpm nur ungefähr 10 bpm schneller als die Ursprungsform selbst. Hauptcharakteristika dieser Stilrichtung waren tiefe Basslines im Reggae-Stil, was nicht zuletzt damit zu tun hatte, dass viele Producer aus der Jungle/Drum & Bass-Szene kamen, und mit Timestretching verzerrte Vocals; außerdem konnte man darin Elemente verschiedenster Musikrichtungen wie beispielsweise Jazz, Latin oder Jungle finden. Speedgarage ließe sich somit also als eine Mischung von Garage, Drum & Bass sowie weiteren, kleineren Einflüssen bezeichnen. Die erste Speedgarage-Compilation mit dem Namen "Underground Frequencies Volume 1" erschien schließlich am 23. Juni 1997 in England, auf der Double 99, Rosie Gaines, Bobby D'Ambrosio u.a. vertreten waren. Die Macher der Compilation hatten sich zum Ziel gesetzt, anhand der CD den neuen UK-Garage-Sound einer breiteren Masse nahezubringen, und ihr darüber hinaus zu verdeutlichen, worum es ihnen mit dieser Form von Musik eigentlich genau geht, da sich zu dieser Zeit die Szene über die Grenzen der Trendmetropole London hinaus beispielsweise nach Leeds oder Birmingham ausdehnte.

Ungefähr zur gleichen Zeit entstand Hardhouse, eine 150 bpm schnelle Mischung aus überwiegend trance- und gabberartigen Elementen und ein wenig House. Die Stilrichtung liebäugelte mit der Rave Kultur und der Happy Hardcore-Zeit der frühen Neunziger. Viele der DJs, die Hardhouse auflegten, kamen ursprünglich aus der Trance-Szene und suchten nach einem Weg, sich weiterzuentwickeln. Wie so viele neue Stile und Trends kam auch Hardhouse aus England, genauso wie die wohl bekanntesten DJs dieses harten, schnellen und äußerst Club-orientierten Sounds, Lisa Lashes und Anne Savage. Eine Hardhouse-Compilation, die auf der Insel sehr beliebt war, war "Hard House Euphoria" sowie die "Hard NRG" Alben des Labels Ministry of Sound.

Noch aktuellere Trends House betreffend sind beispielsweise Latin House, welches besonders 2000 boomte und sich überwiegend durch die unterschiedlichsten Einsätze von Drums, die sonst von Combo Bands verwendet wurden, und Samba-Einflüssen auszeichnete, oder im Gegensatz dazu TechHouse, welches, wie der Name schon vermuten lässt, eine Mischung aus Techno und House ist und eher minimalistisch ausfällt.

Entstehung von Techno

Während in den 70ern Bands wie Kraftwerk noch Pioniercharakter hatten, wurden gegen Ende des Jahrzehnts für Songproduktionen immer öfter nicht nur herkömmliche Instrumente, sondern auch Synthesizer verwendet und in den 80er Jahren schließlich war elektronische Pop-Musik längst nichts mehr Ungewöhnliches. Techno wurde zur damaligen Zeit von seinen ersten Interpreten sowie heute rückblickend als logische Konsequenz der allgemeinen Technologisierung eben auch in der Musikbranche gesehen und oftmals sogar als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine bezeichnet. Schon damals beginnt Techno, den langsam aufkeimenden Trend zum verstärkten Gebrauch des Computers widerzuspiegeln und ist somit nach wie vor Reflexion von Aspekten unserer Gesellschaft.

Während sich Techno zur damaligen Zeit in Europa allerdings noch oftmals dem Vorwurf ausgesetzt sah, durch den alleinigen Einsatz elektronischer Geräte und dem Fehlen "echter" Instrumente eine gewisse Kälte auszustrahlen, wurde es in den USA wesentlich offener empfangen: bereits 1982 verbanden Afrika Bambaataa & The Soul Sonic Force in dem Track "Planet Rock" Auszüge aus Kraftwerk-Stücken mit Rap und schufen so ein heutiges Subgenre von Techno, nämlich Electro. In der folgenden Zeit wurden große Mengen von Electro/Rap-Fusionen produziert, solange bis der unvermeidliche Overkill Electro für lange Zeit nahezu komplett von der Bildfläche verschwinden ließ und gleichzeitig HipHop, wie man ihn heute kennt, ins Leben rief. Ein internationales Revival von Electro setzte dann1996 ein, dem von Detroits Seite allerdings nicht viel Neues hinzugefügt wurde: zwar antwortete man mit einer Schwemme neuer Labels und Musikern, diese widmeten sich jedoch alle der Old School, indem sie bereits Dagewesenes wieder aufgriffen und intensivierten und somit nichts Innovatives schufen. In Deutschland hatte Electro anfangs nicht genügend Eigendynamik, und somit musste dann trotzdem meistens wieder auf Techno zurückgegriffen werden, um die Leute zum Feiern zu bewegen. In den letzten Jahren hat sich diesbezüglich jedoch einiges getan: Electro erfreut sich stets zunehmender Beliebtheit, es wird von vielen DJs und, im Gegensatz zu früher, auch von zahlreichen Clubs supportet. Doch zurück zu 1982:

Ebenfalls ungefähr zu dieser Zeit verarbeiteten die beiden Detroiter Juan Atkins und Richard Davies den Einfluss, den Kraftwerk auf sie ausgeübt hatte, in der Gründung des Projekts "Cybotron", und kombinierten die elektronischen Klänge der deutschen Band mit British New Wave. 1984 produzierten sie den Track "Techno City" womit sie ihrer Musik einen Namen gaben und gleichzeitig ein neues Genre erschufen. Als sich 1985 die beiden dann trennten, gründete Juan Atkins das Soloprojekt Model 500 und begann außerdem, mit Plattenspielern und dem TR 808 Drumcomputer aufzulegen.

In Zusammenhang mit Detroit und Juan Atkins muss auf jeden Fall auch Kevin Saunderson genannt werden, die zusammen mit Derrick May von der Presse auch die "Belleville Three" (sie besuchten alle drei die gleichnamige High-School) genannt wurden und als Urväter des Techno gelten. Im Booklet seiner im März 2002 veröffentlichten Mix-CD sagt Kevin Saunderson von sich selbst "I am now known for being one of the creators of Techno", und hat damit mehr als Recht, was ihm unter anderem auch durch seine großen kommerziellen Erfolge beispielsweise als Inner City mit "Big Fun" oder "Good Life" bestätigt wird. Erstaunlicherweise konnte sich Techno jedoch weder in seiner Geburtsstadt Detroit noch landesweit durchsetzen, da in den USA weiterhin HipHop und Rap wesentlich populärer waren. Es gelangte aber ca. 1988, vor allem durch den Virgin-Sampler "Techno! The New Dance Sound from Detroit", über England nach Europa und erfreute sich dort größter Beliebtheit. Es löste den gerade zu Ende gehenden Acid-House-Boom ab und machte in Deutschland Frankfurt und Berlin zu Technohochburgen. Durch die eben gefallene Mauer und die Vereinigung beider Stadtteile wurde in Berlin kreatives Potential freigesetzt, das sich durch viele illegale Parties in einfallsreichen Locations wie Abbruchhäusern, Industriehallen, Theatersälen etc. bemerkbar machte. Die auf diesen Parties vorherrschende Musikrichtung war eine extrem harte Variante von Techno, deshalb auch Tekkno oder Hardcore Techno genannt, und wurde als "eine Art Marschmusik für Roboter" (Spiegel, '91) oder die "härteste Tanzmusik aller Zeiten" (Stern,'92) bezeichnet. Aus dem Underground in die Öffentlichkeit gelangte Tekkno unter anderem durch die von Wolle Neugebauer veranstalteten Tekknozid-Parties direkt nach der Maueröffnung, und der Dance Hall Sendung des Radiosenders DT 64 mit Marusha, durch welche es ermöglicht wurde, die Musik auch außerhalb Berlins zu verbreiten. Interessanterweise zog dieses Subgenre von Techno auch erste Modetrends mit sich, und zwar Camouflage-Klamotten, weiße Handschuhe, Müllwesten, Wasserspritzpistolen oder in extremeren Fällen Gasmasken oder Staubsauger auf dem Rücken.

Schon 1992 distanzierten sich immer mehr Leute von Hardcore-Techno, lediglich in den Benelux-Ländern konnte es sich weiterhin behaupten, und entwickelte sich sogar noch weiter, und zwar zu dem, was man dann Gabber nannte. Zentraler Ort der Entwicklung war hierbei Rotterdam, Labels wie Rotterdam Records sind repräsentativ für den Sound, der immer wieder versuchte, die Grenzen an Härte und Schnelligkeit zu brechen und teilweise über 200 bpm aufwies. Bereits zur damaligen Zeit waren in den Niederlanden Raves mit 20.000 Besuchern keine Seltenheit. Laut Aussage von Paul Estak, Labelmanager und Produzent von Rotterdam Records, interessierten sich ca. 70% der aller Jugendlichen dort für House und Techno, was unter anderem auch mit der Tatsache, dass Fußball und Techno dort sehr eng miteinander verbunden war, zusammenhing. Es kam oft vor, dass die Fans sonntags nach dem Rave gemeinsam ins Stadion gingen, genauso wie während der Halbzeit im Fussballstadion Gabber zum Anheizen der Fans gespielt wurde.

In Deutschland begann die Kommerzialisierung des Techno schließlich 1992, als die großen Plattenfirmen auf Techno aufmerksam wurden, was nicht zuletzt mit der immer größer werdenden Love Parade (es waren bereits 15000 Leute dabei) zu tun hatte. Sie versuchten die für sie neue Musikrichtung zu vermarkten, was allerdings weder bei Partybegeisterten noch bei der breiten Masse auf offene Ohren stieß und daher nicht wirklich zu Verkaufserfolgen führte. Die Plattenindustrie zog sich deshalb vorerst wieder zurück, bis schließlich 1994 mit Acts wie beispielsweise Marusha der kommerzielle Durchbruch geschafft und eine neue Stilrichtung erschaffen war: Rave-Techno, von Gegnern auch "Spielzeug"- oder "Kirmestechno" genannt. Tracks wie "Somewhere over the Rainbow" können als ­wenn auch vielleicht ungewollte- Vorläufer von den in den folgenden Jahren kommerziell äußerst erfolgreichen Dancefloor-Tracks gesehen werden, deren Interpreten meist nach zielgruppenspezifischen Aspekten ausgesucht wurden und deren Image ebenfalls so designed wurde, dass es für die breite Masse möglichst verkaufsanimierend wirkte. Folglich kamen die meisten Stars dieser bedauernswerten, da einzig und allein kommerziellen Gesichtspunkten entsprungenen Entwicklungsform von Techno nicht aus der Szene und störten sich deshalb, mit Blick auf ihren Kontostand, auch nicht daran, dass sie von wirklichen Technoliebhabern kaum Zuspruch bekamen. Problematisch war nur, dass Projekte wie Scooter oder Blümchen für die Allgemeinheit, die sich mit elektronischer Musik noch nicht oder kaum auseinandergesetzt hatte, als repräsentativ betrachtet wurde und sie daher oftmals ­ nachvollziehbarerweise - wenig Verständnis für die Szene aufbrachte. Doch auch Szeneinsider spalteten sich mit der leidigen Diskussion um Underground und Kommerz in zwei Lager auf: während die einen die gesamte Entwicklung gut hießen, weil sie nun ihr Hobby zum Beruf machen konnten und außerdem auf diesem Wege eine wesentlich breitere Masse überhaupt auf elektronische Musik (auch wenn diese wirklich teilweise qualitativ alles andere als hochwertig war) aufmerksam wurde, gab es natürlich auch genügend Gegner der Kommerzialisierung, die den wirklichen Spirit des Techno verwässert sahen, den alten Zeiten nachjammerten oder vielleicht auch einfach nur neidisch waren, dass sie es nicht geschafft hatten, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Fakt war auf jeden Fall, dass nun die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten war und Techno anfing, zu einer Art modernen Pop zu werden: die Musikindustrie war nun dazu bereit, die "Technorevolution" in die allgemeine Unterhaltungsmaschinerie einzugliedern. Während Techno zu Beginn selbst noch als integrales Teil von House betrachtet wurde und House der Oberbegriff für den Sound, der in den Clubs lief, war, etablierte es sich nun durch den wachsenden Bekanntheitsgrad immer mehr zum Oberbegriff für elektronische Musik.

Eine weitere Konsequenz der immensen Charterfolge war neben dem Unmut in der Technogemeinde die Geburt des Subgenres Intelligent Techno, welches seinen Ursprung in England hatte, auch dort als Gegenpol zu Hardcore und kommerzieller Dance Music fungierte, und daher bestrebt war, seinen Konsumenten etwas komplett Anderes als das bisher Erhältliche zu bieten. Im Gegensatz zum allgemeinen Geschehen im Bereich der elektronischen Musik setzte man hier vor allem auf Minimalismus, reduzierte also den Sound nüchtern auf wenige Elemente, und versuchte, Tracks zu produzieren, die eher für das Wohnzimmer als für den Club gedacht waren, oder wie es auf dem CD-Cover des vermutlich für das Genre namensgebende Release des britischen Labels Warp Records "Artificial Intelligence" ausgedrückt wurde:

"Artificial Intelligence is electronic 'Listening music' for Long journeys quiet nights and club drowsy dawns. Listen with an open mind." Es handelte sich also hierbei nicht mehr vorrangig um Musik, zu der man tanzen können musste, sondern eher um den Akt des Hörens der Musik. Dadurch, dass sich die Produzenten dieser Musik von dem Klischee, dass ein Track auf dem Dancefloor funktionieren muss, frei machten, wurden kreative Freiräume geschaffen, die die Produktion eines vollkommen neuen Sounds ermöglichten, für dessen Verbreitung unter anderem Projekte wie The Future Sound of London oder Aphex Twin sorgten.

1994 war auch das Jahr, in dem erstmals die Öffentlichkeit auf das in der Szene vorherrschende Drogenproblem aufmerksam wurde; in den meisten Massenmedien waren reißerische Berichte über Ecstasy zu finden. Als jedoch der Berliner Verein Eve & Rave mit ihrer Broschüre über Party-Drogen einen Versuch der Aufklärung und Eindämmung von Risiken startete, sahen sie sich sogar mit einem Indizierungsantrag der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften konfrontiert, der dann jedoch abgelehnt wurde. Das Heftchen war aufgrund der Uneinigkeit und des fehlenden Konzeptes innerhalb der zuständigen Ämter mal erlaubt und dann wieder verboten, wurde aber schließlich in leicht veränderter Form endgültig zugelassen, womit ein Schritt in die richtige Richtung der aufklärenden Drogenpolitik gemacht wurde.

Nachdem Techno 1994 erstmals kommerziell sehr erfolgreich war, setzte sich diese Entwicklung in den darauf folgenden Jahren fort. Weiterhin stieg die Anzahl der Dancefloorproduktionen und des "Eurotrashs" (wie z.B. Scooter) in den Charts, aber auch der Markt für qualitativ hochwertige Musik, die aus der Szene kam, wurde breiter. Techno wurde immer facettenreicher und ständig wurden neue Variationen davon geschaffen, wodurch es nicht mehr einen großen, alles verändernden Trend, sondern eher viele kleine nebeneinander her existierende Strömungen gab, die sich einerseits ständig gegenseitig befruchteten und beeinflussten, aber auch in sich neue Richtungen einschlugen und genauso gerne klassisches Material wieder aufbereiteten.

Ein Beispiel für eine Techno-Variante neueren Datums aus dem mitteldeutschen Raum ist Schranz. Der Begriff wurde von Chris Liebing geprägt, der 1998 seine Geburtstagsfeier im Frankfurter Omen "Birthday Schranz" nannte, nachdem er die Bezeichnung auch schon des öfteren vorher in Plattenläden verwendet haben soll. Obwohl der Erfinder selbst über diesen Begriff sagt "Für mich war es nie eine Musikrichtung. Es sind Sounds, die übersteuert sind, Krach eben. Ich gehe davon aus, dass eine neue Generation herangewachsen ist, die sich mit den Begriffen Techno oder Trance nicht mehr identifizieren möchte.", versteht man im Großen und Ganzen darunter Progressive Techno, was eine härtere Variante von Techno mit großem Hang zur Monotonie ist. In Zusammenhang mit diesem harten Technosubgenre findet gerne die polarisierende Aufteilung in Hasser und Liebhaber statt, der wechselseitiges Unverständnis zugrunde gelegt ist und die eine indifferente Haltung unmöglich erscheinen lässt.

Als logische Folge des zunehmenden Variantenreichtums wird auch das Angebot in den Plattenläden und Clubs immer umfangreicher: Während mittlerweile in der Clublandschaft für nahezu jeden Geschmack etwas zu finden ist, werden die Record Stores mit einer Flut von Releases konfrontiert, die es neuen Interpreten und kleineren Labels nicht gerade einfach macht, aufzufallen und sich zu behaupten, da es für die Läden einfacher ist, ihre hauseigenen Produkte, Favourties oder nur noch die wirklich großen Renner zu vertreiben. Durch die fragmentartige Entwicklung und die somit immer schwieriger werdende Klassifizierung der einzelnen Subgenres entwickelt sich "Techno" immer mehr von der spezifischen Musikbezeichnung zu einem Überbegriff, der einerseits viele verschiedene Erscheinungsformen von elektronischer Musik einschließt, andererseits aber auch den gesamten Lifestyle, den die "Raving Society" zelebriert, und damit eine Lebenshaltung, die sich bewusst auf die moderne Technologie einlässt.                                                                             Quelle: www.techno.de

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